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  • Wie es wird, wissen wir nicht

    Die FFF-Proteste und Forderungen legen nahe, dass es genau eine mögliche/notwendige Zukunft geben wird/muss. Die „ganze Welt“ stellt ihr Verhalten um und rettet in einer gemeinsamen Kraftanstrengung den Planeten.

    (Gedanken zum Gespräch Welzer/Jung, Jung & Naiv Folge 419)

    Daran zu glauben kommt mir dann doch eher religiös vor. Wahrscheinlicher ist, dass alles gleichzeitig passiert …

    • es gibt wunderbare ökologische Nischen, Vorzeigestädte, Landkreise, Regionen
    • parallel gibt es schreckliche Tagebau-/Bergbaugebiete mit schlimmster Naturausbeutung
    • es gibt offene Gesellschaften/Communities, die Menschen aller Ethnien, Geschlechter und sexueller Präferenzen integrieren
    • parallel gibt es streng separierte Gesellschaften, die aus religiösen oder irgendwie komischen weltanschaulichen Gründen nur ihresgleichen akzeptieren
    • es gibt Orte des Gemeinwohls, wo Räume, Dinge und Aktivitäten gemeinsam genutzt und geteilt werden
    • parallel gibt es die „private Burg“, den Massenkonsum, die Verschwendung.

    Alles gleichzeitig, alles parallel. Das ist keine schöne Vorstellung aber eine, die sich realistischer anfühlt, als die utopische, zuerst beschriebene der geretteten Welt.

    Das „Gleichzeitigkeits-Szenario“ birgt natürlich Anlass für Fragen/Sorgen. Zentral dabei: Wie gehen die verschiedenen Parallelwelten miteinander um? Man kann vermuten, dass in einer solchen Konstellation nicht von grundlegenden gemeinsamen Klimaschutzbemühungen ausgegangen werden kann. Das bedeutet, dass das 1,5°-Ziel nicht erreicht wird, damit die Rahmenbedingungen schonmal prinzipiell schwieriger werden. Es wird also tendenziell allen „schlechter“ gehen – oder eher: die Bedingungen werden für alle schlechter aber einige können das besser kompensieren (gated communities mit Klimaanlage, Versorgung durch Lieferdienste, Umzug in „angenehmere“ Gegenden). Wo sich die allgemeinen Rahmenbedingungen zuspitzen ist auch von einer steigenden Tendenz für Spannungen/Gewalt/Neid etc. auszugehen.

    Es wäre natürlich wünschenswert, dass die utopisch geprägten Gebiete eher größer ausfallen bzw. in der Mehrzahl sind und dass ihre Umsetzung eher früher als später passiert. (Das Projekt von ZEIT Online zu den Ergebnissen der Europawahl 2019 lässt da eher andere Mehrheitsverhältnisse sichtbar werden. | https://www.zeit.de/politik/ausland/2019-07/europawahl-gemeinden-eu-mitgliedsstaaten-ergebnisse-analyse).

    Was bei diesen Betrachtungen gar nicht berücksichtigt ist, sind „unplanbare Katastrophen“, die „uns“ (Menschheit) ein Handeln aufzwingen (im besten Fall) oder zum Ertragen nötigen. Darunter würde ich fassen

    • Vulkanausbrüche / Erdbeben,
    • Atomkraftwerk macht schlapp (Tschernobyl/Fukushima 3.0),
    • Idioten fangen einen neuen sinnlosen Krieg an,
    • Pandemien.

    Solche Ereignisse sind nicht auszuschließen, vorbereiten kann man sich darauf eher weniger. Insofern ergibt es mehr Sinn, sich auf die Probleme vorzubereiten bzw. diese zu verhindern, die absehbar sind.

    Buchtipp: Margaret Atwood: Das Jahr der Flut - beschreibt eine „Welt der Gleichzeitigkeit“ ganz gut wie ich finde.

    veröffentlicht: Martin Kohlhaas, Mittwoch, 03.07.2019 in Klima

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