Gartenbild Juni 2014, Foto: Martin Kohlhaas
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Gefahr in der 30 Zone

Ich suche immer noch nach Bildern, um die Überwachungsgefahr mit einfachen Worten zu erklären, die jeder für sich verstehen kann.

30 Zone, Foto: Martin Kohlhaas

Ich finde der Straßenverkehr ist gerade für uns hier in Deutschland ein guter Fundus, um Bilder für die Erklärung von Zusammenhängen zu finden.

Im Falle der Überwachung habe ich bisher in Gesprächen folgende Analogie bemüht: Wenn ich im Straßenverkehr regelwidrig handele, zum Beispiel auf der Autobahn 180 statt 130 fahre, dann weiß ich, dass ich etwas Falsches mache und kenne die möglichen Konsequenzen.

Wenn ich im Rahmen digitaler Kommunikation handele, kann ich nicht einschätzen, ob meine Handlungen möglicherweise falsch sind, waren oder falsch sein werden. Die Suche nach bestimmten Stichwörtern, die einzeln unproblematisch sind, aber in meiner konkreten Kombination zur Beobachtung oder Bestrafung führen können kann ich nicht kontrollieren. Die Gefahr hier ist also, dass ich eventuell präventiv gar nicht mehr suche, um nicht möglicherweise falsch zu handeln.

Im Zuge der dauerhaften Speicherung von digitaler Kommunikation kam mir heute ein neues Bild in den Sinn. Nehmen wir an, ich fahre immer eine bestimmte Strecke durch die Stadt, sagen wir zur Arbeit. Irgendwann wird auf dieser Strecke ein Abschnitt zur 30 Zone. Ich halte mich also zukünftig daran und nichts passiert. Nehmen wir jetzt an, ich lese bestimmte Websites. Plötzlich sind diese politisch nicht mehr gewünscht und werden verboten. Selbst wenn ich mich zukünftig daran halten würde, wären meine früheren Besuche immer gespeichert und könnten im Zweifelsfall gegen mich verwendet werden.

Was sagt ihr? Funktioniert das als Argumentation - mit euern Eltern vielleicht oder mit nicht soooo netzaffinen Bekannten?

veröffentlicht von Martin Kohlhaas am 19.07.2014

Feedback

  • 1
    Holger R am 21.07.2014, 06:18: Tja, wirklich schwierig. Wie kommuniziert man diesen Wahnsinn?! Ich hoffe ja auf den einen oder anderen Kuenstler.
    Dein Ansatz ist schon gut, aber ich glaube, noch nicht knackig genug (obwohl ich selber keinen besseren Vorschlag habe - noch nicht): Das (moegliche) Abschwaechungs-Argument koennte sein, dass die Merkel- oder Obama- oder Wer-auch-immer-Administration ja nicht boeswillig ist und "natuerlich" beruecksichtigen wird, dass Du es ja nicht besser wissen konntest und deshalb nochmal ein Auge zudruecken wird. Wer sich nichts zu schulden kommen laeest braucht auch nichts zu befuerchten. So, oder so aehnlioch die (gefaehrliche) Leier.

    We have to keep trying!
  • 2
    Martin am 21.07.2014, 07:59: Danke Holger für den Kommentar. Ich finde den Straßenverkehrsvergleich auch etwas niedlich. Ich glaube, dass man je Gesprächspartner andere Kontext finden muss. Man könnte auch in die Welt von Literatur und Film gehen, wo Verbot und Freigabe sich durchaus für ein Werk abwechseln können - da haben wir uns Deutschland ja eine gewisse Tradition.

    Während also in der analogen Welt ein Interesse für ein Werk wie „Die 120 Tage von Sodom“ de.wikipedia.org [extern] oder „Mein Kampf“ de.wikipedia.org [extern] nur durch Denunziation de.wikipedia.org [extern] durch die Mitarbeiterin im Laden auffliegen kann, bleiben heutige Suchanfragen bei Google oder Amazon z.B. dauerhaft gespeichert. Je nach dem, wie die Rechtslage sich ändert können auch staatliche Stellen die Herausgabe dieser Daten fordern (wenn Sie sie nicht auf anderem Wege schon erhoben haben) und dementsprechend vorgehen.

    Die Interpretation, dass jemand, der vor X Jahren sich für etwas Bestimmtes interessiert hat, seine Gesinnung auch nach einer Gesetzesänderung nicht ändern wird ist ja durchaus nicht von der Hand zu weisen. Im Rahmen der anlasslosen Totalüberwachung von der wir reden, ermöglichen die gespeicherten Daten das schnelle Erzeugen jedweder Listen von Interessengruppen. Davor graut’s mir.
  • 3

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